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Ausbildungsprofil Klassenlehrer an Waldorf-Schulen
Wissenschaftlich
Die Tätigkeit des Klassenlehrers ist eine forschende. Unverzichtbar ist, dass Lehrerbildung wissenschaftlich orientiert ist, d.h. sie muss das zentrale Moment von Wissenschaftlichkeit - die Offenlegung des Erkenntnisweges im Interesse der  Mitteilbarkeit der Erkenntnis und der Erkenntnismethoden - auf sich selbst anwenden. Es wird somit ein breiter, sich seiner Grenzen bewusster und sich selbst reflektierender Wissenschaftsbegriff notwendig, der es auch ermöglicht, in einen wissenschaftlichen Diskurs einzutreten.
Im Sinne der pädagogischen Zielsetzung, Sachverhalte und Zusammenhänge nicht nur zu erklären, sondern ihnen gegenüber einen Verstehensprozess zu eröffnen, geht es deshalb auch um einen Forschungsansatz, der durch weiterführende Fragestellungen neue Erkenntnisse ermöglichen kann. So berücksichtigen z.B. der naturwissenschaftliche Unterricht in der Waldorfschule – und die Vorbereitung darauf in der Lehrerbildung –, dass die ökologischen und sozialen Probleme der modernen Welt eine möglichst vielseitige verstehende Annäherung an die Natur unabdingbar notwendig machen.

Künstlerisch
Die Tätigkeit des Lehrers ist eine „artistische“. Künstlerisches Üben bildet ein Fundament der Lehrersausbildung. Durch diese Tätigkeit werden neue Wahrnehmungsfähigkeiten geschult.
Die pädagogische Anthropologie Rudolf Steiners zeigt durch ihre besondere Auffassung von der Natur des menschlichen Wahrnehmens und durch ihre Ansichten über den funktionalen Zusammenhang der seelischen, leiblichen und geistigen Prozesse im Menschen, wie sich bestimmte Fähigkeiten des zwischenmenschlichen Wahrnehmens und Verhaltens durch spezifische künstlerische Tätigkeiten entwickeln lassen.
Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken dabei Übungen in der Kunst des Plastizierens, der Musik und der Sprache sowie solche im Bereich der Eurythmie, der Malerei und anderer Künste.

Pädagogisch
Die Tätigkeit des Klassenlehrers ist eine pädagogisch  verantwortliche. Der Unterricht soll durch den Stoff die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten des Kindes
bzw. des Jugendlichen und seine Entwicklung fördern. Der Lehrer muss neben dem erforderlichen Fachwissen vor allem die innere Beweglichkeit, das Gespür, das Einfühlungsvermögen haben, den Lehrstoff aus den Erfordernissen und Gegebenheiten des Augenblicks zu präsentieren. Ein gründliches anthropologisches Studium ist die Basis, auf der sich Methodik und Didaktik in der konkreten Begegnung mit den Kindern „aktualisieren“ kann.

Persönlichkeit des Lehrers
Es geht in der Lehrerbildung auch darum, sich auf die Anforderungen an die Persönlichkeit des Lehrers vorzubereiten, sich ihnen zu stellen und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Es geht um die Haltung des Lehrers, oder im Sinne Hartmut von Hentigs: „Das wichtigste Curriculum des Lehrers ist seine Person“. Das betrifft vor allem folgende Grundfähigkeiten.

Selbst-Achtung
Sie dient der Erhaltung des Menschen in der Natur und der Natur im Menschen. Sie ist keine Naturgegebenheit, sondern beruht auf Erkenntnis und Erleben. Sie erzeugt die Fähigkeit zur Achtung und Würdigung (und damit auch zur Kritik) alles Seienden, Gewordenen und Werdenden. Sie ist Voraussetzung für einen liebevollen Bezug zum Kinde. Die erzieherische Wirkung des Lehrers beruht nicht auf dem, was er weiß, sondern auf dem, was er ist.

Darstellung
Der Lehrer muss das Erleben der Schüler ansprechen können, die heute in vielen Bereichen die Wirklichkeit nur noch als Zuschauer wahrnehmen. Durch seine Fähigkeit zur Darstellung und Vermittlung phänomenbezogener, sinnvoller Bilder, die die Schüler erreichen, ermöglicht er ihnen eine Rückkehr zur Wirklichkeit.


Aktivierung
In unserer von Medien beherrschten Welt nimmt die Zahl der Zuschauer immer weiter zu, die der Akteure nimmt genauso schnell ab. Wir sind nicht mehr handelnde, sondern zuschauende Wesen, im besten Fall kritisch zuschauende. Der Lehrer muss die Fähigkeit ausbilden, zum Tun anzuleiten, zu befeuern.

Begeisterung

Der Lehrer muss Bezüge schaffen können, die heute durch Fixierung der Aufmerksamkeit auf eindimensionale Kausalität und Über-Information verloren zu gehen drohen. Es geht darum Wesensmäßiges aus der Vielzahl der Reize herauszufiltern. Begeistern heißt „geistiges Wesen erschließen“.

Kontakt
Wir leben in einer Zeit, in der Gruppen von Menschen (Alte/Junge, Frauen/Männer... ) aber auch die Einzelnen immer weiter auseinandertreiben. Die Schule ist sicher ein Lernfeld für Begegnung. Der Lehrer kann durch sein Handeln hier sehr stark fördernd oder behindernd wirken. Er wirkt vor allem durch seine Kontaktfähigkeit zu den Kindern.

Bestärkung
Schüler brauchen in ihrem Selbstverwirklichungsstreben Menschen, die einen moralischen Anspruch verkörpern, mit dem sie sich identifizieren können. Es bedarf zum Erlernen der Freiheit in der ersten Schulzeit ein gewisses Maß an Autorität. Sie kann die Schüler zunächst schützen, bis sie so stark sind, ihre Freiheit zielvoll zu ergreifen.

Die genannten Fähigkeiten sind in je verschiedenen Ausprägungen in jedem Menschen angelegt. Sie sind veränderbar, erweiterbar, nicht unterrichtbar und auch nicht im herkömmlichen Sinne prüfbar; doch sie bilden sich im Studium in allen drei oben genannten Bereichen und können auch festgestellt werden. Ihre Bildung hat Voraussetzungen im Individuum, in der Ausbildungseinrichtung und in der Ausbildungsstruktur.




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