INTERKULTURELLE KOMPETENZ UND DEUTSCH ALS ZIELSPRACHE (IKD)

Wahlfach im Dualen Pädagogik-Studium

Eine auf Dauer gelingende Veränderung unserer Gesellschaft durch die Aufnahme von Menschen besonders aus Krisengebieten beruht auf einer Kultur des gegenseitigen Verstehen-Wollens, nicht nur des Sprechen-Beibringens, des In-den-Arbeitsprozess-Integrierens. Menschen stehen, da alle Säulen ihrer bisherigen Identität stark erschüttert sind, auch vor der Aufgabe, ihre Identität neu zu finden und sich ein neues soziales Netz aufzubauen.

Die Kinder und Jugendlichen brauchen tragfähige Beziehungen zu kultursensiblen und sprachsensiblen Menschen, die in der Lage sind auf diese Bedürfnisse zu reagieren.

Außerdem brauchen sie Lehrer, die ein grundlegendes Verständnis von Deutsch als Zielsprache haben, Deutsch als Zielsprache auch unterrichten können, aber auch Methoden kennen, die Unterrichtsinhalte in einer Klasse mit deutschen Kindern sprachlernfördernd und kultursensibel aufzubereiten. 

Inhalte

Sprache – neben der Schriftsprache vor allem das gesprochene Wort - spielt eine zentrale Rolle im Klassenzimmer: beim künstlerisch gestalteten Sprechen, beim Erklären und Vermitteln von Inhalten, beim Erzählen. Zudem ist Sprache als Medium der Informations-, Empfindungs- und Intentionsvermittlung in jeglichem Studienfach/Unterrichtsfach von tragender Bedeutung. Die Studenten können sich durch dieses Schwerpunktfach auf allen pädagogisch relevanten Ebenen schulen. Grammatikalische, dialektische und rhetorische Fähigkeiten sowie künstlerische Ausdruckskraft werden ausgebildet und je nach Interesse werden Möglichkeiten geschaffen, sich eine sinnvolle Kenntnisgrundlage  für eine Schwerpunktsetzung im sprachgestalterischen und dramatischen Bereich zu erarbeiten. 

Voraussetzungen

Ist Deutsch nicht Ihre Muttersprache, so müssen Sie eine der folgenden Qualifikationen vorweisen:

  • mindestens TestDaf (TDN 5) oder besser:
  • Goethe Zertifikat C2.

 

 

Dauer & Ablauf

Das Fachstudium ist 1-jährig.

 

 

 

Modul 1: Sprach- und Kultursensibilität (10 – 12 ECT)

Schwerpunkt 1: Interkulturelle Kompetenz

Antje Bek

Wochenendveranstaltungen zu folgenden Terminen:

10./11.11.2017

24./25.11.2017

02./03.02.2018

 

"Nicht der Unterschied ist das Problem, sondern der Umgang damit."

Arbeitsweise: Den Schwerpunkt bilden verschiedene Übungen, die sensibilisieren für  den Umgang mit Menschen, deren Kultur, Kommunikationsform sowie Normen und Werte zunächst fremd erscheinen können. Die auf der Grundlage dieser Übungen gemachten Erfahrungen sollen im Gespräch ausgetauscht und dann auf  die alltägliche Arbeit in den Schulen übertragen werden. Arbeit im Plenum und in Kleingruppen, Gespräch und Vortrag.

 

Themenfelder:

  • Die Bedeutung des Kulturbegriffs in der aktuellen Situation
  • Vertraute und weniger vertraute Kommunikationsformen
  • Die Bedeutung von Normen und Werten
  • Ressourcen von Kindern mit Migrationshintergrund bzw. Fluchterfahrung 
  • Entwicklungsbedingungen und -chancen für Kinder mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung
  • Daten und Fakten zu Kinderflüchtlingen, dem Asylverfahren , den rechtlichen Rahmenbedingungen des Kita- und Schulbesuchs von geflohenen Kindern 
  • Elternarbeit
  • Elterngespräch

 

Schwerpunkt 2: Traumapädagogik

Mitja Kraugmann

22.01.18 | 24.01.18 - jeweils 15:30 bis 18:30 h

27.01.18 - 09:00 - 14:00 h

29.01.18 | 31.01.18 / 19.03.18 | 21.03.18 - jeweils 15:30 bis 18:30 h

 

außerdem:

Clowning und Traumapädagogik

mit Angela Hopkins, Potsdam

am 23.03. und 24.03.2018, jeweils 10:00 - 18:00 h

 

Themenfelder:

  • Einführung in die Psychotraumatologie
  • Auswirkungen von Traumatisierungen auf Kinder und Jugendliche
  • Traumapädagogik
  • Stabilisierung
  • Beziehungsdynamik in der Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen
  • Trauma und Bindung
  • Umgang mit Berufsrisiken und retraumatisierenden Situationen, Selbstfürsorge
  • Kinderbesprechung unter traumapädagogischen Gesichtspunkten 

     

  • Flucht, Vertreibung und Krieg als Auslöser von Traumata verstehen
    • Trauma, Stress und Krisen: Auswirkungen, Reaktionsmuster und Symptome in den verschiedenen Entwicklungsstufen kennen
    • Aktuelle und posttraumatische Belastungsstörungen erkennen können
    • Kinder und Jugendliche anhand von notfall- und traumapädagogischen Methoden (Kunst, Spiel, Psychoedukation) unterstützen können
    • Sekundäre Traumatisierung in der Arbeit mit traumatisierten Kindern und Erwachsenen vermeiden und erkennen
    • Übertragungsphänomene verstehen
    • Traumapädagogische Haltungen kennen lernen

 

 

Schwerpunkt 3: Globalisierung und Resilienz - Herausforderung Zeitgeschehen

Griet Hellinckx

3. Trimester an folgenden Tagen: 21.04, 05.05, 09.06.2018 jeweils 09:00 bis 19:00 h

 

Arbeitsweise: Lehrervortrag, Unterrichtsgespräch, Kleingruppenarbeit, praktische Übungen, Gäste, Filme

 

Themenfelder:

  • Auswirkungen von Kolonialismus und Globalisierung, „global goals“ der UN
  • Politische Lage, kulturelle und religiöse Eigenheiten der Länder, wo Flüchtlinge herkommen
  • Willkommenskultur vs. Rassismus – die Auseinandersetzung mit der Diskussion um Flucht und Asyl
  • Grundwissen in Bezug auf die Weltreligionen (Schwerpunkt Islam)
  • Interreligiöser und interspiritueller Dialog
  • Werte und Werte-Entwicklung, sowie Genderfragen
  • Ansätze einer universellen Spiritualität und einer säkularen Ethik
  • Eigenstabilisierung, Selbstsorge und Resilienz
  • Biographiearbeit, Schulung von Positivität, Geduld, Achtsamkeit, Empathie
  • Soziale Ressourcen bilden und stärken (Storytelling, Kreisarbeit)

 

Modul 2: Deutsch als Fremd- und Zielsprache (10 – 12 ECT)

Christa Greshake-Ebding

1. Trimester 5 Wochen jeweils montags und donnertags 4 Unterrichtsstunden im Block

3. Trimester jede Woche montags 4 Unterrichtstunden im Block

1 Wochenende „Einsatz von kreativen Medien und Schreibübungen zur Persönlichkeitsstabilisierung und -entfaltung"

 

Arbeitsweise: Lehrervortrag, Unterrichtsgespräch, Kleingruppenarbeit, praktische Übungen; bei künstlerischen und kreativen Inhalten: Methode lernen durch die Methode selbst und ihre Reflexion

Die Studierenden erarbeiten sich Grundlagen in Deutsch als Zweitsprache und deren Methodik und Didaktik – sei es für den speziellen DaZ-Unterricht (Willkommensklassen) oder die Integration von sprachfördernden Elementen in den Fachunterricht.

 

Themenfelder:

  • Der fremde Blick auf die Sprache
  • Wortschatzvermittlung/Bedeutungsvermittlung
  • Implizite und explizite Grammatik
  • Themen aus der Schule unter neuen Gesichtspunkten aufbereiten
  • Leseverstehen und Schreiben und Hörverstehen und Sprechen (incl. Phonetik)
  • Selbsterfahrung der Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer durch Fremdsprachenanfängerunterricht in Russisch
  • Übungstypologien, Sozialformen und Arbeitsanweisungen
  • Spielerische Übungen, Sprachlernspiele und Spiele
  • Visualisierung
  • Methodische Ansätze im DaF- und DaZ-Unterricht

 

Beim Sprachunterricht wird oft vernachlässigt, dass Sprache eine beziehungsstiftende Funktion hat und ein wichtiges Mittel ist, seine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen und dadurch gesehen zu werden – ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Besonders Kinder und Jugendliche brauchen die beiden letztgenannten Ebenen, um Sprache lernen zu wollen und sich zu integrieren: Sie brauchen eine Beziehung zu einer Person, der sie vertrauen, die sie verstehen will und die ihnen hilft, sich als Personen neu zu verorten, nachdem ihre Welt gerade aus den Fugen geraten ist.

Dafür braucht der Lehrer auf sprachlicher Ebene neben der oben beschriebenen fundierten Sprachlehrkompetenz noch folgende Ausbildungselemente, die ebenfalls in den Veranstaltungen Raum finden:

  • Kenntnisse der Sprach- und Identitätsentwicklung im Sprachunterricht wirksam werden lassen 
  • Bewusstsein für das kultur- und gesellschaftsspezifische Konnotat eines Wortes entwickeln
  • Sachliche Informationen vermitteln durch verständnisfördernde Vorentlastung und durch einfaches, aber korrektes Sprechen
  • Märchen oder Geschichten durch verständnisfördernde Vorentlastung und lebendig gestaltete Sprache, unterstützt durch Mimik und Gestik, darstellen.
  • Verschiedene kreative Medien (auch Schreiben) auf verschiedenen Niveaus einsetzen, um den Selbstausdruck der Teilnehmer zu fördern.

 

3. Modul: Praxisbezogenes Sprach-und Integrationsförderungs-Projekt (10 - 12 ECT)

Christa Greshake-Ebding und Mentor/inn/en an den Schulen

 

In diesem Modul, das in ganz verschiedenen Kontexten absolviert werden kann (Willkommensklasse, Hausaufgabenbetreuung, Begleitung im regulären Schulunterricht, Sprachkurs außerhalb des Schulzusammenhangs, etc.) soll sprachfördernder Unterricht – wenn möglich ab Januar - erteilt werden.

 

Arbeitsweise: Lehrervortrag, Unterrichtsgespräch, Kleingruppenarbeit, praktische Übungen; eigene Unterrichtstätigkeit

 

In den letzten drei Wochen vor Weihnachten und den Wochen im Januar vor der Praxisphase finden montags und donnerstags von 15:30 – 18:30 h folgende seminaristische Einheiten zur Spracharbeit statt, die im Rahmen der eigenen Unterrichtstätigkeit vertieft werden:

  • Planen, Erteilen und Beurteilen von DaZ-Unterricht
  • Fehler und Fehlerkorrektur
  • Evaluation
  • Testen und Prüfungen
  • Unterrichtsbeobachtung und -beurteilung im Rahmen der angebotenen Hospitation
  • Heterogenität und Binnendifferenzierung
  • Interkulturelles Lernen
  • Lernen lernen
  • Analyse von DaZ-Unterricht

 

Es sollen im Rahmen des eigenen Projektes aber auch Überlegungen zur Integration auf der Grundlage des Moduls „Kultursensibilität“ angestellt werden. Folgende Fragen können dazu – besonders bei Kindern in der Schule - eine Anregung sein:

  • Wie ist das Kind nach Deutschland gekommen?
  • Wie ist die Familiensituation?
  • Welcher Religion gehört es an und welche Rolle spielt die Religion in der Familie?
  • Welche Muttersprache spricht es?
  • Aus welchem Umfeld kommt es?
  • Wie findet es seine Identität, einen Platz in der Klasse, in der Schule?
  • Wie ist das gesamte Kollegium auf die Situation vorbereitet?
  • Was passiert in der Schule, in der Stadt, im Land? Schulkonzept, Jahresfeste
  • Wie kann seine bisherige Erfahrungswelt in der Klasse eine Rolle spielen und wie kommt es in Kontakt mit den Besonderheiten seines neuen Umfeldes?
  • Wie wird es sprachlich unterstützt, um Anschluss an den Stand in der Klasse zu finden?

 

 

Ansprechpartner

Studiengang Waldorf-Pädagogik. Duale Lehrerbildung
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