FACHSTUDIUM HANDARBEIT

Inhalte

Wie nützlich Handarbeits-Können ist, wird schnell deutlich: Wer nähen, stricken, häkeln, stopfen kann, kann seine Textilien immer wieder selbst reparieren und ihnen damit zu mehr Dauer verhelfen. Er oder sie ist in der Lage, zerschlissene Stoffe neu zu kombinieren und damit Schönes zu schaffen und auch hier „no waste“ zu leben. Wer Handarbeiten gelernt hat, kann damit gestalterisch Neues schaffen während er ökonomisch mit den Ressourcen umgeht. Mit wachsendem Selbstvertrauen und kreativem Überschuss erweitert sich die Kenntnis von Materialien und Techniken schnell, um zum Beispiel unterschiedliche Textilien zu kombinieren oder zu färben. Auf der anderen Seite wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt, wie Handarbeiten ausgleichende und entspannende Wirkung entfaltet, so dass sie heute vielerorts als eine Form der Ergotherapie eingesetzt wird.

Handarbeitsunterricht an der Waldorfschule

Handarbeitsunterricht in der Schulzeit hat darüber hinausgehende Aufgaben in der Unterstützung der kindlichen Entwicklung: Handarbeiten fordert und fördert die Feinmotorik, die Geschicklichkeit der Hände und damit die körperlich-kinästhetische Intelligenz (H. Gardener), die wiederum ein Widerlager für die Denkfähigkeiten abgibt. Der Handarbeitsunterricht nimmt gemeinsam mit den musischen und handwerklichen Fächern einen wichtigen Platz in der Waldorfschule ein. Schon in der 1. Klasse erlernen die Kinder verschiedene handwerkliche Fähigkeiten. Das Stricken steht hier zunächst im Mittelpunkt. So fertigt jedes Kind an vielen Waldorfschulen gleich in den ersten Schulwochen einen eigenen Ball, später eine Flötenhülle, die mit viel Mühe, aber auch großem Eifer in selbst gewählter Farbgestaltung hergestellt und zuhause voller Stolz und Freude präsentiert und fortan auch genutzt wird. In den weiteren Klassen folgen Tätigkeiten wie das Häkeln (beispielsweise eines Ballsackes), das Sticken (möglicherweise der eigenen Umhängetasche) und später das Nähen.

Die Fachausbildung Handarbeit

Handarbeitslehrer/innen benötigen Kenntnisse verschiedenster Handwerkstechniken sowie die Fähigkeit, Entwürfe künstlerisch zu gestalten und auszuführen. Zwei Aspekte durchziehen die Fachausbildung in besonderem Maße: auf der einen Seite das selbstständige Kennenlernen der Spannweite des Faches vermittelt durch Besuche in Schulen, Ausstellungen, Museen, Miterleben von Klassenspielen, Monats- feiern, Basaren oder die Teilnahme an Fachtagungen. Zusätzlich erlernen die Studie- renden Handarbeitstechniken großenteils selbständig. Anhand von anzufertigenden Werkstücken werden die handwerklichen Fähigkeiten überprüft. Eigeninitiative und intensives Üben außerhalb der Seminare sind für den erfolgreichen Fachabschluss erforderlich. Auf der anderen Seite geht es in den Seminarzeiten um das Eintauchen in die prak- tische Tätigkeit unter methodisch-didaktischen Aspekten und um die Auseinander- setzung mit menschenkundlichen Gesichtspunkten: Welche Handarbeiten braucht ein Kind in den jeweiligen Entwicklungsstufen während der Schulzeit, um in seiner seelischen und geistigen Entwicklung tätig unterstützt zu werden?

Leistungsnachweise während des Studiums

Zu den Inhalten der Kurse werden entsprechende Werkstücke angefertigt. Arbeits- mappen sollen als Kompetenzportfolio vorgelegt werden. Diese Dokumentation muss ausführliche Arbeitsanleitungen beinhalten und eigene Erfahrungen beschreiben und reflektieren. Methodisch-didaktische Überlegungen und die menschenkundlichen Bezüge zu den verschiedenen Jahrgangsstufen sind ebenso wichtig wie Literatur- angaben, Spruch- und Liedsammlungen und Bezugsquellen. Die Dokumentation wird zeitnah zu den praktischen Kursen geführt, um das entsprechende Modul theoretisch zu untermauern. Sind die beschriebenen Kompetenzen erworben, kann das Modul als erfolgreich bescheinigt werden. Am Ende der Ausbildung liegt ein Portfolio über die gesamte Ausbildung vor.

Dauer & Ablauf

Das Studium im „Wahlfach Handarbeit“ erstreckt sich über 1 Jahr integriert in das Klassenlehrer-Studium. Ziel ist es, die Studieninhalte des Handarbeitsunterrichtes in den Klasse 1 bis 8 zu durchdringen. Aufgrund des Stundenumfangs ist es möglich, die Fachausbildung sowohl mit dem Studium eines weiteren Wahlfachs zu kombinieren wie auch berufsbegleitend als reine Fachausbildung (s. Fortbildung und Zusatzqualifikation) zu belegen. Die Seminare finden als Wochenendseminare statt. Am Ende des Fachjahres findet eine Fachabschlusswoche statt. Eine Sprechzeit für den gemeinsamen Austausch ist jeweils dienstags.

Die Voraussetzung für das Erlangen des Diploms, ist die erfolgreiche Teilnahme an allen Seminaren, eine vollständige Portfoliomappe und eine bestandene Lehrprobe.

Voraussetzungen

Voraussetzung für das Studium zum Handarbeitslehrer/in ist idealerweise eine Ausbildung im handwerklich-textilen Bereich sowie sehr gute handwerkliche Fähigkeiten im textilen Bereich.

Anmeldung

Für die Anmeldung zum Studium verwenden Sie bitte unser Online-Bewerbungsportal.

Alternativ können Sie uns Ihre Bewerbung auch postalisch zukommen lassen. Den Bewerbungsbogen finden Sie unter Downloads. Schicken Sie ihn zusammen mit der handschriftlichen Darstellung Ihres bisherigen Bildungsganges, Fotokopien der relevanten Zeugnisse (bei Waldorfschülern auch das Gutachtenzeugnis der 12. Klasse), einem Nachweis über Ihre Hospitation an einer Waldorfschule und 2 Lichtbildern im Passbildformat an das Institut. Sie erhalten dann einen Terminvorschlag für das Aufnahmegespräch mit Dozenten/innen des Instituts. Ohne dieses persönliche Gespräch sind Aufnahmen nicht möglich. Beratungsgespräche sind jederzeit nach telefonischer Vereinbarung möglich.

Ansprechpartner

Sylke Schlagewerth

Studiengang Waldorf-Pädagogik. Duale Lehrerbildung

Leitung Fach Handarbeit

 

Raum: C-0-03

Fon +49 2302.9673-0

Fax +49 2302.68000

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